Von kleinen Zuckerbäckern, Revolutionären und mutigen Frauen: Zwischen den Palästen

Zwischen den Palästen

Abd al-Gawwad lebt mit seiner Ehefrau Amina und seinen Kindern Fahmi, Jasin, Kamal, Aisha und Chadiga in einem großen Herrenhaus in Kairo. Er genießt den Respekt seiner Freunde, seiner Familie und gefühlt auch den ganz Kairos.  Früh morgens wird er von Amina gewaschen und bekommt sein Frühstück. Danach geht er zur Arbeit, kommt abends nach Hause und geht schließlich wieder mit seinen Freunden weg, mit denen er Witze macht, lacht und zur Genüge Alkohol verzehrt. Seine Kinder und seine Frau bekommen von alldem wenig mit. Setzt der Hausherr allerdings einen Schritt ins Haus, verstummt alles. Die ganze Familie fürchtet ihn so sehr, dass sich niemand traut, mit ihm längere Gespräche zu führen. Des Weiteren erlaubt al-Gawwad seiner Frau und seinen Töchtern nicht, das Haus zu verlassen. Eines Tages geht er allerdings auf Geschäftsreise und seine Familie ergreift die Chance, ihren Alltag selbst zu gestalten. Dies hat schwere Folgen…

Nagib Machfus veröffentlichte im Jahr 1956 den ersten Teil der Kairoer Trilogie mit dem Titel „Zwischen den Palästen“. Der Roman beschreibt relativ nüchtern den Alltag einer ägyptischen Familie zur Zeit des ersten Weltkrieges. Dieser spielt allerdings nur hintergründig eine Rolle. Bis auf Fahmi setzt sich keiner der Familienmitglieder richtig damit auseinander. Viel eher entwickeln sich die verschiedenen Charaktere im Laufe des Buches weiter: unglückliche Lieben, frühe Heirat und die Unbeschwertheit des jüngsten Sohns Kamal, der später Zuckerbäcker werden will, stehen sich entgegen, ergänzen sich jedoch gleichzeitig.

Da der Inhalt aus Sicht eines auktorialen Erzählers geschildert wird, nimmt man als Leser*in eine distanzierte Haltung ein. Trotzdem hat man schon bald seine Lieblingscharaktere und fiebert mit ihnen mit. Obwohl das Erzählte eher bedrückend ist, bedrückt es einen durch die besondere Schreibweise Machfus‘ nicht.

Empfehlenswert ist das Buch vor allem für diejenigen, die sich mit der arabischen Mentalität auseinandersetzen wollen, ohne dabei ein Sachbuch lesen zu müssen. „Zwischen den Palästen“ entführt den Lesenden in eine andere Welt, fesselt ihn und lässt ihn danach nicht so schnell wieder los.

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